Die Eyacharkaden, oder 1. kommt es anders und 2. als ……

Die geplanten Eyacharkaden, ein Einkaufstempel mit H&M, New Yorker und vielleicht Media-Markt, oder Saturn haben jahrelang die Ressourcen des Stadtplanungsamtes beansprucht.
Noch Tage, nachdem man von Seiten der aktiv-Group im Frühjahr 2014 die Kaufoption zurückgegeben hatte durfte ich aus dem Stadtplanungsamt die Botschaft vernehmen: “Aber glauben Sie doch nicht, dass das was da gebaut wird viel anders aussieht, als das, was bislang geplant wurde.”

Hier sollte mal ein 20m hohes Haus gebaut werden

Hier sollte mal ein 20m hohes Haus gebaut werden
So kann man sich irren!
Ich konnte mich jahrelang als einsamer Rufer in der Wüste fühlen und wurde durch die Realität mehr als bestätigt.
Am 13.12.2013 wurde folgender Leserbrief von mir veröffentlicht:

“Wenn man den Artikeln der jüngsten Vergangenheit glauben darf, steht es um die Pläne zum Bau der Eyach-Arkaden wohl doch nicht so positiv, wie man es in öffentlichen Verlautbarungen darstellt. Als Grund für die Verzögerungen wird die Verwaltungsgerichtsklage der „Im Rossnägele“ wohnenden Familie Burghard angeführt. Ist das tatsächlich die Ursache für den möglichen Ausstieg von so genannten Ankermietern?

Wer am letzten Sonntag der Sendung mit Günter Jauch über den Versandriesen Amazon zugeschaut hat, könnte zu einer anderen Schlussfolgerung kommen. Weshalb sollten Handelsriesen wie Mediamarkt, H&M und New Yorker noch in Kaufhäuser investieren, wenn der immer stärkere Trend zum Interneteinkauf offensichtlich wird? Gerade bei Textilien und Unterhaltungselektronik sind die Kosten für die Logistik eines Auslieferungslagers günstiger als langfristige Mietverträge in teuren Einkaufsarkaden, die in naher Zukunft keine Besucher mehr finden.

Sollten wir die aktuelle Situation nicht nutzen, inne zu halten und im Dialog mit der Bevölkerung, nach einer wirklich zukunftsweisenden Nutzung dieses letzten Filetstückes am Rande der Balinger Innenstadt zu suchen? Prof. Wulf Daseking (von 1984 bis 2012 Leiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Freiburg im Breisgau), der auch in seinem Ruhestand noch ein viel gefragter Redner zu allen Themen nachhaltiger Stadtentwicklung ist, hat es in einem aktuellen Schriftwechsel mit mir auf den Punkt gebracht. Er schreibt mir darin: „Was ich auf meinen häufigen Einladungen zu Vorträgen sehe, ist, dass in den Städten mehr und mehr die Tagesentscheidungen – und nicht die Langzeitstrategien – das „Geschäft“ bestimmen. Eine für mich mehr als problematische Entwicklung. Aktionismus bestimmt mehr und mehr das Planungsgeschehen.“ Dies kann man nicht nur in Hinblick auf die Eyach-Arkaden, sondern auch auf die Planung zur Bebauung des Hinteren Kirchplatzes, die Sanierung des Lochenbades und andere Balinger Baustellen feststellen. Prof. Daseking stellt weiterhin fest: „Die soziale Frage, die Überalterung mit den daraus resultierenden Konsequenzen sowie die Ressourcenschonung werden die bestimmenden Zukunftsthemen sein.“

Die mehr als 5000 Quadratmeter des Strassergeländes wären ein trefflicher Ort für ein zentrumsnahes, generationenübergreifendes Wohnen und Arbeiten. Die große öffentliche Resonanz seit der Gründung des Balinger Generationennetzes sollte klar machen, dass es mehr denn je Zeit ist, in ganz anderen Kategorien zu denken und zu planen, als immer wider eine neue Sau durchs Dorf zu treiben.”

Aus dem Munde des Stadtplanungsamtes durfte ich mehr als einmal vernehmen, dass “die Jugend” sich einen H&M und einen New Yorker wünsche.

Ich habe daraufhin die provokante Frage gestellt, weshalb man sich in Balingen mit dem fair-trade-Siegel schmückt und unreflektiert beste Einkaufslagen an Firmen abtritt, die unter unwürdigen Bedingungen produzieren und es auf wundersame Weise schaffen keine Steuern auf ihre Gewinne zu entrichten. Die Antwort ist man mir schuldig geblieben.

Schadenfroh könnte ich all diejenigen auslachen, die es ja schon immer besser gewusst haben (inklusive des Amtsinhabers), aber eigentlich bleibt einem das Lachen im Halse stecken angesichts der Zeit und des Geldes, das sinnlos vergeudet wurde. Es ist aber jetzt endlich an der Zeit den Bürger mit einzubinden.

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