ZAK Befragung zu Wirtschaftsthemen

Wie wollen Sie in den kommenden Jahren mit dem aktuellen Mangel an Gewerbeflächen in Balingen umgehen?

Zuerst mit den Grundstückseigentümern reden, und nicht hinterher. Rechtzeigig Kontakte knüpfen und ein Netzwerk aufbauen, damit so etwas, wie es mit der Gewerbeabwanderung der Firma Narr passiert ist, sich nicht wiederholt. Wenn Bebauungspläne für Gewerbeareale erstellt werden, ohne sich im Vorfeld um die Eigentumsfrage zu kümmern (wie jüngst in Frommern geschehen), dann zeugt das von blankem Aktionismus und nicht von wohlüberlegtem Handeln. In den letzten 6 Monaten der Regentschaft mal auf die Schnelle ein Gewerbegebiet aus dem Boden zu stampfen, und dann noch am falschen Platz, kann nicht die Lösung sein. Eine echte Wirtschaftsförderung würde auch einschließen sinnvolle Konversionsmöglichkeiten zu suchen und zu organisieren.

Was könnte Balingen ansiedlungswilligen Unternehmen bieten, was konkurrierende Umlandgemeinden Ihrer Meinung nach nicht haben?

In einer immer kleinteiligeren Just in Time – Wirtschaft ohne Lagerhaltung ist die Produktions- oder Handelsfläche alleine nicht mehr der entscheidende Faktor. Dann eher die zentrale Lage, die Nähe zu einer funktionierenden Verkehrs- und Dateninfrastruktur. Vielleicht auch die Möglichkeit sich in einem funktionierenden Netzwerk austauschen zu können. Aber viel entscheidender ist die Lösung des Problems geeignete, qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung zu haben. Die Gesamtattraktivität (das schließt auch das Einkaufs, das Wohn- und das Freizeitangebot ein) der Gemeinde muss so groß sein, dass auch junge Erwachsene, die zu Ausbildung, oder Studium in die großen Städte abwandern, gerne wieder zurückkommen. Wertschätzung erfahren, sich angenommen und beheimatet fühlen zu können, Teil einer funktionierenden Gemeinschaft zu sein ist der Garant, dass sich Menschen hier wohl fühlen und ihre Arbeitsleistung auf Dauer zur Verfügung stellen können und nicht in die Metropolen abwandern.

Was macht für Sie zukunftsorientierte Wirtschaftsförderung in Balingen aus?

Eine sinnvolle Verzahnung von Schule und Wirtschaft bereits in niedrigeren Klassenstufen. Die einwöchigen Berufspraktika reichen nicht aus Jugendliche an Berufsfelder heranzuführen.
Wir können es uns nicht leisten Schüler ohne Abschluss für den Arbeitsmarkt zu verlieren. Schulkonzepte, die Kreativität und die individuelle Entwicklung der verschiedensten Talente fördern sind gefragt.
Wenn in einer Bauleitplanung ein Baum an einer Stelle vorgeschrieben wird, an der sich die Haupteinfahrt befindet, dann zeugt das davon, dass innerhalb der Verwaltung überhaupt keine Kommunikation stattfindet, dass aneinander vorbeigeplant wird.
Wirtschaftsförderung muss eine Bringschuld, und keine Holschuld sein. Wenn in der Zeitung steht, dass ich in den Bahnhof im großen Umfang investieren möchte und dabei Arbeitsplätze schaffe, dann erwarte ich, dass die Wirtschaftsförderung auf mich zukommt und mir die Frage stellt: “Können wir Ihnen irgendwie behilflich sein?” Und nicht umgekehrt.
Die Werbesatzung, die mit zweierlei Maß misst, gehört auf den Prüfstand.

Hier der Link zu dem Artikel im ZAK

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