Der amtierende Oberbürgermeister und die Wohnortfrage

In der Ausgabe vom 16.02.2015 ist im Schwarzwälder Boten ein Artikel über die Frage zu lesen, weshalb Herr Reitemann nicht in Balingen wohnt.

Es ist schon beeindruckend, die Begründung von Herrn Reitemann zu lesen, weshalb er mit seiner Familie nicht von Hohentengen nach Balingen gezogen ist.

Es muss sich jeder selbst seinen Reim darauf machen, weshalb man in der heutigen Zeit Mobilität ganz selbstverständlich voraussetzt, und dies gerade für den obersten Amtsträger einer Gemeinde nicht zu gelten hat.

Was mich aber viel mehr gewundert hat, waren die seltsamen Kommentare, mit denen Facebook-Nutzer diesen Umstand zu rechtfertigen versuchen.

Die absolute Krönung ist die folgende Aussage einer Bloggerin:

 was meint ihr wenn sein Herausforderer gewinnt, dann wird’s lustig in Balingen. Dann könnt ihr euch alle warm anziehen, aber wenn der Bahnhof ein Fulltime Job ist bleibt ja für das wichtige Amt als OB keine Zeit mehr

Woher nehmen die Leute ihre Vorurteile her? Ist das Angst davor, dass sich etwas ändern könnte, etwas anders wird?
Das mit dem “warm anziehen” kann ich gar nicht nachvollziehen. Habe ich doch am 08.11.2013 auf meine eigenen Kosten einen Heizkörper in den Wartesaal installieren lassen, den die DB 4 Jahre zuvor entfernen ließ. Das müsste dann ja eher heißen “da könnt ihr eure Pullover aber ausziehen!”
Seltsam ist doch, dass man zum Beispiel zugesteht sowohl Landrat, als auch Landtagsabgeordneter sein zu können, sich bei mir aber Gedanken macht, dass der Job eines OB sich nicht mit dem Bahnhof vereinbaren ließe? Schon mal was davon gehört, dass man auch delegieren kann. Ich habe inzwischen engagierte Mitarbeiter gewinnen können, die sehr wohl in der Lage und auch gewillt sind, ihren persönlichen Einsatz für das Gesamte zu erbringen, sich selbst einzubringen, neue Ideen und Konzepte zu entwickeln.
Wenn die Stadt den Zuschlag für den Bahnhof erhalten hätte, wer hätte sich dann darum gekümmert? Glauben Sie, dass unter städtischer Regie inzwischen die Heizung von Öl-Einzel-Öfen auf Gasbrennwert umgestellt worden wäre? Dass das BHKW, das seit 29.07.2014 nachhaltig Strom erzeugt, je in Betrieb gegangen wäre? Dass die Stadt den personenbedienten Fahrkartenverkauf von der DB übernommen hätte, so wie ich das seit 01.12.2014 getan habe. Wollen die Leute lieber Absichtserklärungen, als Taten?

Die Ironie des Schicksals hat dazu geführt, dass genau unter dem Eintrag des Schwabo-Artikels ein Spruch gepostet war, der sehr gut zu der Sachlage passt:

“Egal, wie tief man die Messlatte des geistigen Verstandes eines Menschen legt, es gibt jeden Tag Jemanden, der bequem darunter durchlaufen kann!”

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